+41 71 723 13 33 info@denkfit.ch      DE  |  FR
  • Berufsbildnerin Katja Hutter erinnert sich: «Ich habe als MPA, Krankenschwester, Ergotherapeutin und kaufmännische Angestellte geschnuppert»…

Berufsbildnerin Katja Hutter erinnert sich: «Ich habe als MPA, Krankenschwester, Ergotherapeutin und kaufmännische Angestellte geschnuppert»…

Interview mit Katja Hutter

Beruf: Kauffrau EFZ
Funktion: Mitarbeiterin Gemeinderatskanzlei / Gemeinderatsschreiber-Stv.
Arbeitgeber: Gemeindeverwaltung Widnau


Wenn Sie sich zurück erinnern: Wie haben Sie Ihre eigene Berufswahl erlebt? 

Meine Lehrstelle habe ich im Spätsommer 1998 angetreten. Davor habe ich relativ viele Bewerbungen geschrieben. Mein absoluter Traum war eine Lehrstelle bei einer öffentlichen Verwaltung. Meine Enttäuschung war dementsprechend gross, als die ersten Absagen eintrafen. Ich hatte bereits einige Zusagen aus der Privatwirtschaft, als ich positiven Bescheid von der Politischen Gemeinde St. Margrethen erhielt. Meine Entscheidung war klar.


Welche Berufe haben Sie geschnuppert? Wie war damals das Vorgehen?

Ich habe als MPA, Krankenschwester, Ergotherapeutin und kaufmännische Angestellte geschnuppert. Dazu habe ich jeweils bei meinen favorisierten Betrieben persönlich bzw. telefonisch um eine Schnupperlehre angefragt. Einige Unternehmen verlangten eine schriftliche Anfrage für eine Schnupperlehre.


Weshalb haben Sie sich dann für den kaufmännischen Beruf entschieden?

In der 3. Sek habe ich die Aufnahmeprüfung zur Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Stephanshorn in St. Gallen erfolgreich bestanden. Mein Berufswunsch war Krankenschwester. Da ich noch zu jung für diese Ausbildung war, entschied ich mich anstelle eines zweijährigen Praktikums, eine dreijährige Berufsausbildung zu absolvieren. Ich habe mich für die kaufmännische Ausbildung entschieden, weil ich schon damals davon überzeugt war, dass dieser Beruf eine absolut starke Grundausbildung ist, auf der man gut aufbauen kann. Auch für den privaten Bereich lernt man viel und kann vom Wissen profitieren. Diese Aspekte gelten für mich auch heute noch. Und so bin ich dann voller Freude in diesem Beruf «hängen geblieben»…


Weshalb haben Sie sich für eine Lehre auf der Gemeindeverwaltung entschieden?

Meine Lehre durfte ich bei der Gemeindeverwaltung St. Margrethen absolvieren. Für mich war die Branche «öffentliche Verwaltung» absoluter Favorit. Das Durchlaufen der verschiedenen Abteilungen machte meine alltägliche Tätigkeit sehr abwechslungsreich und ich erlebte so die gestellten Aufgaben als sehr vielseitig.


Was war das Schönste an Ihrer Lehre?

Positiv an meiner Lehrzeit auf der Gemeindeverwaltung war, dass ich als Lernende in einem Turnus von sechs Monaten in verschiedene Abteilungen Einsicht erhielt. Dies machte die Ausbildung sehr spannend und interessant. Die Ausbildungsverantwortlichen und Mitlernenden waren sehr sympathisch und nett.


Woran erinnern Sie sich nicht so gerne?

An die Prüfungen in der Berufsschule erinnere ich mich überhaupt nicht gerne – ich hatte schreckliche Prüfungsangst. Und ans «Kopier-Papier-Schleppen» vom Keller zum Kopierer im ersten Obergeschoss… ;o)


Wie haben Sie Ihr berufliches Leben nach der Lehre gestaltet?

Direkt nach Abschluss der Lehre war meine Motivation, eine weitere Schule zu besuchen relativ klein. Bei der Gemeindeverwaltung Romanshorn habe ich meine erste Stelle erhalten. Zuerst war ich für die Gemeindekasse (ähnlich wie ein Front-Office) und später fürs Einwohneramt verantwortlich. Während dieser Zeit habe ich die Gemeindefachschule in St. Gallen absolviert. Nach über sechs Jahren im Thurgau habe ich auf die Gemeinderatskanzlei Widnau gewechselt. Es folgten weitere Weiterbildungen als Sachbearbeiterin Personalwesen edupool.ch/KV Schweiz und zur eidg. dipl. Rechtsassistentin HF/pat. Rechtsagentin. Dies zeigt deutlich, dass es auch ohne Berufsmittelschule – ohne diese abzuwerten – zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie man sich als «Kauffrau E-Profil» beruflich vielseitig weiterentwickeln kann.


Sie sind heute für die Lernenden «Kauffrau/Kaufmann» auf der Gemeindeverwaltung mitverantwortlich. Was macht die kaufmännische Lehre auf einer Gemeindeverwaltung spannend und interessant?

Die verschiedenen Abteilungen, welche die Lernenden durchlaufen können, sind sehr abwechslungsreich und die Aufgaben dadurch sehr vielseitig. Die Themen aus der Branchenkunde sind auch im privaten Alltag sehr hilfreich.


Auf welche drei Eigenschaften bei jugendlichen Bewerberinnen und Bewerbern legen Sie am meisten Wert?

Motivation, Interesse und Freundlichkeit. Schüchternheit ist für mich KEIN «Minus-Punkt».


Ihr wichtigster Tipp für das Erstellen von Bewerbungsunterlagen?

Ein Bewerbungsdossier muss vollständig sein. Dazu gehören Motivationsschreiben, Lebenslauf mit Foto, Schulzeugnisse und der Stellwerk-Check. Die Unterlagen sollen fehlerfrei und sauber eingereicht werden. Das Motivationsschreiben bevorzugen wir handschriftlich.


Ihr wichtigster Tipp für das Vorstellungsgespräch?

Die bewerbende Person sollte sich vor einem Vorstellungsgespräch möglichst umfassend vorbereiten: Um welches Unternehmen handelt es sich? Wer ist Ansprechperson für mich? Was beinhaltet die (Lehr-)Stelle? etc.


Das Interview wurde schriftlich geführt. 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.